Sputtis vorerst stillgelegt

S-Bahn-Chaos

S-Bahn legt ganze Zug-Baureihe still

26. Februar 2010 18.56 Uhr, dpa

Weil die S-Bahn Rad-Prüfungen unterlassen hat, werden 30 Wagen sofort aus dem Verkehr gezogen.

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Eine Ära geht zu Ende

Mal wieder endet eine Ära dank der Berliner Modernisierungswut. Nun trifft es die legendäre S9-Kurve am Ostkreuz:

S 3 ersetzt längere Zeit die S 9 auf der Stadtbahn

Ab September fährt die S 9 nicht mehr durch die Südkurve am Ostkreuz

Wenn Ende August die Bauarbeiten am Ostkreuz soweit fortgeschritten sind, dass die Südkurve abgebaut wird, dann wird zeitweilig einiges neu geordnet im S-Bahn-Verkehr um die Riesenbaustelle. Dazu ein Gespräch mit Felix Pohl, Leiter Bestellermarketing und Dr. Torsten Funke, Verkehrsplaner der S-Bahn Berlin.

Die S 9 und die S 75 ergänzen sich auf der Stadtbahn zum 10-Minuten-Takt Richtung Spandau. Wie wird das ausgeglichen, wenn die Südkurve ab September abgebaut wird und die S 9 nicht mehr über die Stadtbahn fahren kann?

Felix Pohl: Zunächst hatten wir geplant, die S 75 im 10-Minuten-Takt nach Spandau fahren zu lassen. Erhebungen und verkehrliche Untersuchungen ergeben jedoch, dass es bei der S 75 weit weniger Fahrgäste gibt, die über die Stadtbahn hinaus Richtung Spandau weiterfahren, als bei der S 3. Deshalb haben wir in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entschieden, die S 3 alle 20 Minuten bis Spandau durchzubinden. Das heißt: Nutzer der S 3, die bisher am Ostbahnhof in den Spandauer Zug umsteigen mussten, können nun in jedem zweiten Zug sitzen bleiben.

Wie lange bleibt den S 3-Nutzer dieser komfortable Zustand erhalten?

Dr. Torsten Funke: Zunächst für etwa eineinhalb Jahre. Dann werden die Richtungsbahnsteige am Ostkreuz gebaut, die Schienenwege komplett neu sortiert und die S 3-Nutzer müssen am Ostkreuz in die S 5, S 7 oder S 75 umsteigen, um in die City zu gelangen. Das ist baubedingt leider nicht anders zu lösen.

Und danach?

Felix Pohl: Wenn die Bauarbeiten am Ostkreuz ihrem Ende zugehen, soll die S 3 in Abstimmung mit der Senatsverwaltung über die Stadtbahn durchgebunden werden.

Wie fährt bis dahin die S 9?

Dr. Torsten Funke: Sie fährt ab September zusätzlich zur S 8 und S 85 über den Ostring bis Blankenburg. Damit bieten wir jenen Fahrgästen – oder auch Fluggästen – eine umsteigefreie Verbindung in den Nordosten oder Norden der Stadt.

Was empfehlen Sie den Fahrgästen, die bisher die S 9 in die Innenstadt genutzt haben?

Felix Pohl: Eine Möglichkeit ist, bis Ostkreuz zu fahren und umzusteigen, doch hier gibt es während der Bauarbeiten weder Aufzüge noch Fahrtreppen. Deshalb wird die S 45 von Schönefeld über Hermannstraße hinaus bis zum modernen und behindertengerechten Bahnhof Südkreuz verlängert. Wir empfehlen also vor allem mobilitätseingeschränkten Fahrgästen oder Reisenden mit Gepäck, mit der S 45 bis Südkreuz zu fahren und von hier mit der S 2, S 25 oder dem Regionalzug in die Innenstadt. Das ist ein deutlich komfortablerer und auch nicht längerer Weg aus dem Südosten in die City.

Dr. Torsten Funke: Nach Ende der Bauarbeiten am Ostkreuz wird der S-Bahnverkehr im Wesentlichen wieder so geregelt sein wie heute. Nur den Bahnsteig A gibt es nicht mehr. Die Züge der S 9 fahren dann ohne Halt über die neue Südkurve des Bahnhofs Ostkreuz zum Bahnhof Warschauer Straße.

Quelle: punkt 3 – 2009/10

Endlich: Sputnik Revival

Endlich wieder eine gute Nachricht für all die Nostalgiker unter euch – die S-Bahn überlegt angeblich, die alten “Sputniks” (auch bekannt als Baureihe 485) wieder einzusetzen statt zu verschrotten. Lest selbst:

Mehr Platz für Fahrgäste

S-Bahn überlegt, alte Züge einzusetzen statt zu verschrotten

Peter Neumann

Fahrzeuge fehlen, Züge verspäten sich: In den vergangenen Monaten hat die S-Bahn Negativschlagzeilen gemacht. Jetzt arbeitet sie an einem Programm, das die Qualität ihrer Leistungen verbessern soll. Geplant ist, es noch im März vorzustellen. Nach Informationen der Berliner Zeitung erwägt die S-Bahn, abgestellte Fahrzeuge wieder in Betrieb zu nehmen. Während sich die Reisenden oft in vollen Zügen drängen, stehen 80 Wagen der Baureihe 485 ungenutzt auf Abstellgleisen herum. Von diesem Fahrzeugtyp, der wegen seiner früheren roten Lackierung “Coladose” genannt wird, sind schon viele Exemplare verschrotten worden. Nun stehen die Chancen gut, dass die abgestellten Wagen hergerichtet werden und künftig erneut Fahrgäste befördern.

Dadurch könnte die Flotte des zweitgrößten Berliner Nahverkehrsunternehmens auf rund 670 “Viertelzüge” anwachsen – so heißen die Zwei-Wagen-Einheiten in der S-Bahner-Sprache. Dann ließen sich Fahrzeugengpässe, wie sie derzeit zum Beispiel die Reisenden auf der Linie S 9 zwischen Spandau und Schönefeld nerven, größtenteils vermeiden. Fahrgäste berichten, dass die Züge auf der von zahlreichen Touristen genutzten Strecke oft nur sechs oder vier Wagen haben – früher waren es stets acht.

Einige der abgestellten Züge sind schon seit Jahren außer Betrieb. Mehrere haben Risse im Boden, die einer aufwändigen Sanierung bedürfen. Weil die Aufarbeitung der Züge einige Millionen Euro kosten würde, muss das “Mutterunternehmen” Deutsche Bahn (DB) dieser Reaktivierung noch zustimmen.

Betriebsrat fordert Kurskorrektur

Heiner Wegner, der Vorsitzende des S-Bahn-Betriebsrats, bestätigte, dass es Überlegungen gibt, die abgestellten Züge wieder einzusetzen. Dadurch ließe sich der Zugbetrieb zuverlässiger gestalten, sagte er. S-Bahn-Chef Tobias Heinemann sollte die “Chance für eine Kurskorrektur” nutzen. Der Betriebsrat macht vor allem Einsparungen bei der Instandhaltung und Pflege der Züge dafür verantwortlich, dass die S-Bahn unzuverlässiger geworden ist.

In den vergangenen Monaten war das Unternehmen deshalb häufig kritisiert worden, nicht nur von Fahrgästen, sondern auch von Politikern. So hat die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) angekündigt, dass das Land der S-Bahn erstmals wegen zu großer Unpünktlichkeit die Zahlung kürzen wird – nach ersten Kalkulationen um fünf Millionen Euro.

Quelle: Berliner Zeitung, 16.03.2009

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