Ich habe in Berlin 500 Wände besprüht

13.05.2009

In BILD erzählt Sprayer „Rink“ (18), warum er die Stadt beschmiert

Von P. DOSSMANN und M. HELLWIG

Berlin hat 3 410 100 Einwohner. Die meisten kennen ihn, auch wenn sie ihn noch nie gesehen haben. Denn er hinterlässt seine Graffiti-Schmierereien überall in der Stadt.

Seine Eltern nennen ihn Moritz. Er selbst nennt sich „Rink“. Er hat es sich aufs Handgelenk tätowieren lassen. Und es an Häuser, Brücken, Bahnhöfe gesprüht. „Ich hab mein Kürzel an mindestens 500 Stellen in Berlin hinterlassen“ , sagt er, lässig an die (noch) weiße Wand eines Zehlendorfer Mehrfamilienhauses gelehnt. „,Rink‘ kennt hier jeder!“

Moritz T. (18) aus Zehlendorf. 10-Klassen-Abschluss, keine Ausbildung, Kinderzimmer bei den Eltern. „Ab und zu jobbe ich als Verkäufer“, sagt er. Der Chef weiß nicht, wer da bei ihm an der Supermarkt-Kasse sitzt…

Mit Handschuhen, Lack-Sprühdosen und XXL-Filzstiften zieht Moritz fast täglich durch Berlin, sprüht „Tags“ (Kürzel), „Characters“ (Bilder), „Streetbombs“ (riesige Wörter) – und hinterlässt eine Spur der Verärgerung.

Moritz sieht das anders: „Je länger deine ‚Tags‘ halten, je mehr Leute sie sehen, desto berühmter wirst du.“ In der Sprayer-Sprache heißt es „Fame“. „Es steigert deinen ‚Fame‘, wenn du an Stellen sprühst, die schwer zu erreichen sind“, erklärt er. „An Eingängen von U-Bahnen oder an Häuser, kurz bevor das Gerüst abgebaut wird.“

Warum er das tut? „Die Gefahr, erwischt zu werden, ist der Kick“, sagt er. „Botten“ heißt das Wegrennen vor der Polizei. Doch viermal hat sie ihn erwischt. 60 Stunden musste er putzen. Genützt hat es nichts.

Mit 12 hat Moritz angefangen, Graffiti zu sprühen. Jetzt lehrt er 12-Jährige das Sprayen. „Ich zeige ihnen wie und wo man gut sprühen kann.“ Die Groupies müssen blechen, wenn sie ihn begleiten wollen. „Davon bezahle ich meine Farben. So ein Bild kostet mich rund 35 Euro.“

Was seine Bilder jährlich z. B. die BVG kosten, interessiert ihn nicht.

Ein BVG-Sprecher zu BILD: „2006 wurden durch Vandalismus Schäden in Höhe von 8,2 Mio. Euro verursacht. 2007 waren es 8,9 Mio. Tendenz steigend.“ Die Berliner Polizei ermittelte 2007 wegen Sachbeschädigung in 61 281 Fällen.

Sie wird aufamten, wenn „Rink“ im Herbst zum Wehrdienst muss…

Und danach? Job? Familie? „Ich hab doch schon Familie“, sagt der Junge. Meine Tochter ist anderthalb.“ Dann grinst er. „Sie kann schon Papa sagen. Und ‚Rink‘.“

Quelle: Bild.de

Durch Stromschlag schwer verletzt

20-jähriger Graffitisprayer durch Stromschlag schwer verletzt!

Berlin (ots) – Am Nachmittag des 1. Mai 2008 hatten sich mehrere Personen dazu verabredet, Graffiti im Bereich der Abstellanlage Güterbahnhof Nordost (Höhe Marzahner Straße) anzubringen. Dabei wurde ein 20-jähriger Berliner durch einen Stromschlag schwer verletzt. Nach ersten Ermittlungsergebnissen hatten insgesamt sechs Jugendliche gemeinschaftlich einen Kesselwagen eines abgestellten Güterwagens besprüht. Der Verunfallte 20-jährige hatte versucht, das angebrachten Graffiti zu fotografieren und stieg aus diesem Grund auf einen gegenüberliegenden Waggon. Dabei ist er mit dem Kopf an die Oberleitung gekommen. Der junge Mann zog sich in Folge des Stromschlags und dem anschließenden Sturz vom Kesselwagen Verbrennungen zweiten und dritten Grades sowie erhebliche Kopfverletzungen zu. Eingesetzte Rettungskräfte der Berliner Feuerwehr hatten noch vor dem Eintreffen der Bundespolizei mit der ärztlichen Versorgung der verunfallten Person begonnen. Der Verletzte wird stationär im Unfallkrankenhaus Marzahn behandelt. Zwei seiner Begleiter konnten vor Ort angetroffen werden. Bei ihnen fanden die eingesetzten Beamten diverse Beweismittel zur Ausführung von Graffiti und stellten diese sicher. Es erfolgte eine Mitnahme zur Dienststelle und Fertigung einer Strafanzeige wegen des Verdachts der Sachbeschädigung. Die Ermittlungen dauern an.

Die Bundespolizei weist daraufhin: “Bahnanlagen sind kein Abenteuerspielplatz! Auf Bahnanlagen gefährden Kinder und Jugendliche immer wieder sich und andere vor allem durch leichtsinniges Verhalten und Unachtsamkeit. Die Spannung der Oberleitungen beträgt 15.000 Volt. Leider kommt es auch zu Unfällen mit tödlichem Ausgang. Graffitischmierereien an fremdem Eigentum sind Straftaten. Insbesondere Jugendliche unterschätzen dabei häufig die Folgen ihrer Taten. Neben der strafrechtlichen Verfolgung wegen einer Sachbeschädigung, kommt es in den meisten Fällen auch zu zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen durch den Geschädigten.”

Quelle: Polizeipresse

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