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Fotoausstellung: Graffiti der 90er in Ostberlin

Fotoausstellung der 90er in Ostberlin

Am 9. Februar findet um 20 Uhr in der John-Schehr-Str. 4 am Thälmann-Park eine Fotoausstellung zum Thema Graffiti der 90er in Ostberlin statt.

Stell dir vor du sitzt in der S-Bahn und fährst durch Berlin, und die an dir vorbei ziehenden Wände sind grau, einfach nur grau.

So war es mindestens bis zur Wende in Ost-Berlin.

Zwar gab es spätestens nach dem Erscheinen des Kinofilms Beat Street (1986) erste einzelne Erscheinungsformen von Graffitis, die mit Hilfe von Schuhcreme‚ Pinsel oder mit Autolack-Dosen aus der Tschechei angefertigt wurden‚ aber von einer Szene heutigen Ausmaßes fehlte noch jede Spur.
All das änderte sich mit dem Fall der Mauer. Ab jetzt konnte man Bilder live von der noch jungen West-Berliner Graffiti-Szene bewundem und sich inspirieren lassen. So entwickelte sich mit all den neuen Möglichkeiten von unzähligen grauen Wänden und frei verfügbaren Sprühdosen auch im Osten Berlins schnell eine Graffiti-Szene.
Am Anfang war sie noch klein und die meisten beschränkten sich auf ihren Bezirke, aber Jahr für Jahr kam es zu einem sprunghaften Anwachsen und man lernte sich kennen, zu lieben und zu hassen.

Beim heutigen Betrachten des Ostteils der Stadt ist es kaum noch vorstellbar wie grau und bröcklig die damaligen unsanierten Straßenzüge und Häuser waren. Und genau an diese graue und jungfreudige Anfangszeit soll diese Ausstellung anknüpfen.

Nun begann die Suche nach geeignetem Bildmaterial und die ersten Antworten von manchen leuten lautete: „Mein Blackbook war die Straße“ oder „klar kannste mein Fotoarchiv benutzen, ist alles in einer Kiste im Keller“. Und zwei Tage später hieß es dann: „Mist, der Keller war wohl doch feuchter als ich immer dachte“ oder auch er eblebt: „Oh, das haben sich schon längst die Bullen geholt, hat wohl keiner daran gedacht, sich das ganze wieder zurück zu holen“.

Zum Glück gabs aber auch ein Paar Leute, deren Archive aus staubig befühlten Mülltüten, vergessenen Schuhkartons, gut sortierten Aktenordner oder aber echten Blackbooks mit liebevoll eingeklebten Fotos bestanden. Und dann gib es da ja schließlich auch noch Streetfiles, das digitale Graffiti-Archiv! Wahre Helden im Dokumentieren von Graffitis.

Am Ende sind so insgesamt 350 analoge Schnappschüsse zusammen getragen worden, die einen kleinen Einblick in die Graffiti-Zeit der 90iger im Ostteil Berlins geben sollen.