Das Graffiti-Magazin Nr. 1 aus Berlin

SPAIR: Fuck Streetart

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Fuck Streetart. Die Vergangenheit von Streetart ist Writing.

Streetart respektiert Writing nicht sondern nutzt Writing als Hintergrund für Plakate etc. Streetart ist akzeptiert. Streetart ist neu.
Und Immer da zu finden wo es der Pöbel „voll okay“ findet „das sich jemand kreativ austobt“.

Durch die figürlichen Motive fühlt sich der Pöbel angesprochen und findet es süß!
An Tags hat der Pöbel kein Interesse, will es gar nicht lesen können und wenn er doch mal etwas entziffern kann hat er nur einen Namen oder irgendeine Drei-Buchstaben-Kombination mit der er natürlich nichts anfangen kann.

Schau her Streetart ist doch Pippifax:

  1. du zeichnest eine Figur oder schneidest ein lustiges Motiv aus einer Zeitschrift aus
  2. du kopierst sie 1000x
  3. du beklebst dann deinen Kiez damit
  4. alle halbe Jahre gibst du deiner Figur etwas anderes in die Hand und bist dann stolz auf deine Weiterentwicklung
  5. und nicht vergessen auch mal ein flotten Spruch mit aufs Poster machen
  6. und schwuppsdiewupps bist du Fame und kannst im Internet mit deinen Fans spielen

Und der Pöbel liebt es, nennt es originell und schimpft im gleichen Atemzug auf Tags die durch jahrelanges Schreiben (nicht kopieren) wirklich eine Entwicklung hinter sich haben.

Writing kommuniziert! Writing ist „Freestyle“!

Writing sind Buchstaben und bei Buchstaben gibt es Regeln an die man sich halten muß. Ein Writer sieht sofort ob ein Tag oder Bombing hinhaut weil er weiß wie ein Buchstabe aufgebaut ist.
Writer lieben Writing. Mit Streetart kann man sich nicht lange beschäftigen. Writing hat eine Aussage (auch wenn das viele Writer leider selbst nicht merken).

Writing spiegelt die Gesellschaft wieder: Ich mache Werbung für mich. lch nehme mir was Ich will, ich werde ein Superstar, ich ficke meln Ego, usw. Nur das Writing sich gegen die Gesellschaft richtet und sogar die Gesellschaft angreift. Streetart spiegelt überhaupt nichts wieder. Streetartler haben keinen Sinn für Stellen.
Keiner von denen sieht eine Stelle und sagt sich: „Da geh ich heute Nacht hin“. Die gehen durch die Strassen und kleben Ihren Dreck „spontan“ über irgendwelehe Tags und Bombings.

Und es ist ja wohl Fakt, dass es um einiges kraftvoller ist, wenn man mit Farbe an ein Haus malt als wenn man seinem Billig-Poster (das man ganz in Ruhe in der warmen Stube aus dem Kopierer zieht und nach Belieben wieder zerknüllen kann wenn es einem nicht gefällt) in die Strassen klebt! Oder?

Streetart ist schwach! Write your name with graffiti on the wall!

© SPAIR, 2005