Berliner Graffiti Online-Magazin

Fotoboom – DEON Interview

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Wo und wann ging es los bei dir?
Geboren und aufgewachsen in Berlin, seinen Anfang nahm es dann zu Beginn der 90er Jahre.

Was gab es damals crewmäßig in deiner Ecke?
LOFD (Lords of Doom) waren damals die ersten in meinem Hood. Der feste Kern bestand zu der Zeit aus: ZEWA, SHEL, ZOT, BIGE, GOTER, CABE, HOK, SOHER und DABE. Ich kam dann später auch noch dazu sowie GEL & ETIK. Das hat sich dann in den Jahren aber leider verlaufen. Meist waren es aber einfach nur die Lebensumstä̈nde – nervende Eltern oder zu viel Scheiße nebenbei gebaut.

Warum hast du mit Graffiti angefangen?
Gute Frage. Ich glaube weil ich vorher schon gern gemalt habe und Graffiti? Fand ich einfach cool zu der Zeit, hat einfach Spaß gemacht, dass Rumtaggen am Anfang und später das Buchstaben malen. Ich habs immer aufgenommen. Wenn ich mit der S-Bahn gefahren bin, war es präsent und ich habe mir Gedanken über andere Bilder gemacht und mich gefragt, wie die dies und das gemacht haben, aber ich glaube, so denken viele am Anfang.
Aber warum ich damit angefangen habe, kann ich so genau gar nicht sagen. Man rutscht halt nach und nach in bestimmte Kreise rein, und dann ist das einfach so, nennen wir es „Schicksal“ – da gibts kein Warum.

Haben dich DIE BEIDEN Filme beeinflusst?
Nee, „Beatstreet“ und „Stylewars“ haben nicht soviel bei mir hinterlassen, weil ich wahrscheinlich noch zu jung war um dies richtig einzuordnen.
Ich glaube die Leute, die in den 80ern begonnen haben, waren da schon mehr von geflasht weil es das ja so hier noch nicht gab. Aber ich wurde ja dann zum Glück auch mit dem Graffiti-Virus infiziert.

Woher hattet ihr damals die Dosen?
Wir hatten damals noch sehr viel Zeit und konnten in Berlin rumheizen um Läden abzuchecken. Meist waren es dann Baumärkte oder auch mal ein „Tante-Emma-Laden“, wo die Dosenregale soft geparkt waren. Selbst über 10 geklaute Cans hat man sich gefreut, jede nicht gekaufte Dose war gespartes Geld, welches dann an den nicht gerade billigen Wochenenden rausgeballert werden konnte.

DEON war dein erster Name?
Nein, angefangen habe ich 93 mit VEGAS, aber das habe ich auch wieder gelassen, weil mir gesagt wurde, dass es schon einen VEGAS in Berlin gibt. Irgendwann habe ich dann mit DEJON angefangen, später dann mit DEON. Das habe ich eigentlich auch bis heute durchgezogen. Zwischendurch gab es auch noch andere Namen, wie z.B. STAY187 oder ALONE, das ich zusammen mit AKIM gemacht habe. Aktuell mache ich auch EKSE.

Wo warst du überall vertreten?
Ja eigentlich schon alles was dazu gehört hat. Wobei ich Halls gemieden habe, weil es für mich Dosenverschwendung und ich doch eher der illegale Typ war. Die Hall-Maler wurden früher auch ziemlich belächelt. Später hat sich das natürlich etwas geändert (das Alter) und ich bin heute auch aktiv am Hall-Malen. Irgendwas muss man ja machen, wenn man nicht mehr illegal aktiv sein möchte.

War Restdeutschland interessant?
Ich dachte damals Berlin ist das Ultimo. Du warst in Berlin, dich hat nichts anderes interessiert, du hattest hier alles. Warst immer auf Achse, hattest immer etwas zu tun. Ich glaube man war schon sehr arrogant, weil man eventuell auch zu viel Respekt von anderen getankt hatte.

Bist du früher auch auf Jams außerhalb Berlins gefahren?
Paar Mal, aber das war meist mehr Krawall – war schon Standart, Berliner kamen und es
gab automatisch Randale. Ich glaube, wir galten schon fast als „Graffiti-Hooligans“, die sich von Berlin erholen und ein wenig Stress machen, dafür aber wenig Stress bekommen. Obwohl die Aktionen meistens lächerlich waren, wurden die Stories natürlich rumerzählt und aufgebauscht. Es gibt sicherlich heute noch Stories von damals, in denen Berliner die Hauptrolle spielen.

Gibt es LOFD noch?
Hmm, mit der Zeit hat sich leider alles auseinander gelebt – zart ausgedrückt. Es gab wahrscheinlich zu viele unterschiedliche Charaktere, zu viele Alphas, zu viele Dickköpfe. Der einzige Zusammenhalt war anscheinend wirklich nur Graffiti. Im „normalen“ Leben waren wir wohl zu verschieden. Also LOFD existiert schon noch. Ich male es konsequent weiter, habe auch noch Kontakt zu einigen Leuten. Eigentlich will ich mich gar nicht so festnageln lassen, ob es LOFD noch gibt oder nicht. Unter dem Crew-Gesichtspunkt ist LOFD sicher tot, aber der Name existiert natürlich weiter. Dafür sorgen ich oder andere aus dem Club, die hin und wieder mal eine Wand oder etwas Stählernes im Jahr machen oder es einfach immer irgendwo hinkritzeln. „Not most wanted, but forever“.

Du bist noch in anderen Gruppen aktiv?
Ja, da gibt es noch BTC, dazu aber später mehr 2011.

Illegal bist du nicht mehr aktiv?
Nein, ich hatte einfach keine Lust mehr. Die Luft war raus, ich hatte keinen Bock, meinen alten Arsch nachts rauszuquälen und Sachen abzuchecken. Aber ich habe aus freien Stücken aufgehört – in meinen Augen ein schöneres Gefühl, besser, als wenn du vom Staat gezwungen wirst. Ich glaube, das ist ein mieses Gefühl, malen zu wollen aber nicht zu dürfen.

Puuh, ich glaube das reicht fürs Erste, noch paar Leute grüßen?
LOFD & BTC Crew, AKIM, DUHS, LOVER, DYSE, AWOK, RICH, TMR Crew, DOES, SHEK, POET, DEJOE, HERO, GRAB, 43ers, TSV’s, ESO, KERN, DEK7, RISK, WATER, HEST, BOA, DK & MGS Crew.
Ich ziehe meinen Hut vor allen Writern die Graffiti auf Ihre eigene Art & Weise am Leben erhalten und will auch allen danken die mich auf meinem Weg unterstützt haben. Danke und bis zum nächsten Mal.

Quelle: ARTISTZ Magazin (Danke!)