Das Graffiti-Magazin Nr. 1 aus Berlin

Presseschau 93

16.11.2012 | 13:14 Uhr

BPOLD-B: „Graffititourismus“ – Fahnder der Bundespolizei nehmen tschechische Sprayer fest

Berlin-Wedding (ots) – Drei Sprayer gingen Fahndern der Bundespolizei am Donnerstagabend in Berlin-Wedding auf frischer Tat ins Netz. Neben umfangreichen Sprayutensilien stellten die Beamten auch einen Elektroschocker bei den Touristen aus Tschechien sicher.

Zivilkräfte hatten das Trio gegen 20:45 Uhr beim Beschmieren eines Müllcontainers an der Bahnstrecke zwischen Beusselstraße und Westhafen erwischt. Bei ihrer Festnahme trugen die 22- bis 24-jährigen Männer Einweghandschuhe mit frischen Farbanhaftungen. Neben diversen Sprayflaschen, Stiften und Kameras stellten die Bundespolizisten auch einen Elektroschocker bei den Tätern sicher. Dieser war als Taschenlampe getarnt.

Die Bundespolizei leitete Strafverfahren gegen die Sprayer ein und setzte sie nach Abschluss aller Maßnahmen wieder auf freien Fuß.

Quelle: Polizeipresse

Eingabe: 15.11.2012 – 09:00 Uhr

Drei Sprayer festgenommen

Steglitz-Zehlendorf

# 3650

Beamte des Polizeiabschnitts 43 nahmen in der vergangenen Nacht drei Graffitisprayer in Zehlendorf fest. BVG-Mitarbeiter beobachteten gegen 2 Uhr Personen, die über die Gleise den Tunnel des U-Bahnhofs Krumme Lanke betraten, und alarmierten die Polizei. Die Beamten nahmen das Trio im Alter von 28, 26 und 21 Jahren fest. Zwei U-Bahn-Waggons, die auf Abstellgleisen standen, wurden auf einer Fläche von etwa 25 qm und ca. 10 qm besprüht. Drei Taschen mit 21 Sprühdosen sowie Graffitivorlagen wurden sichergestellt. Die Farbschmierer wurden für das Fachkommissariat beim Landeskriminalamt eingeliefert.

Quelle: Polizeipresse

Neues Schulfach

Er lässt Klausuren mit der Spraydose schreiben

13. November 2012 13:48 Uhr, Ingar Benke

Am Dathe-Gymnasium in Friedrichshain stehen Graffiti im Stundenplan. Sprayer Jurij Paderin (32) ist der Lehrer.

Sie sind grell und bunt und verschandeln Häuserwände in der ganzen Stadt. Allein bei der BVG entstehen jährlich rund fünf Millionen Euro Schäden durch illegale Graffiti. Im Dathe-Gymnasium Friedrichshain steht Sprayen dennoch auf dem Stundenplan: Seit den Herbstferien lernen 31 Schüler (14–16), wie sie richtig mit der Farbdose hantieren!

Jeden Dienstag büffeln die Zehntklässler mit Sprayer Jurij Paderin (32) im Wahlpflichtfach Kunst alles rund um die Straßenkultur. Graffiti-Jargon inklusive: Was ist ein Noozle (Sprühkopf)? Wie geht der richtige Flow (Handbewegung)? Wie vermeide ich Drips (Tropfen)?

Von ihrem neuen Lehrer bekommen sie gar nicht genug: „Ich habe sie noch nie so engagiert erlebt. Sie bleiben sogar freiwillig länger in der Schule“, sagt Schulleiterin Helmke Schulze (46). Ihr Ziel: „Praxisrelevantes Lernen. Wir wollen Themen unterrichten, die allgegenwärtig sind.“

Klingt modern! Oder geht das Lehren von Straftaten doch etwas zu weit? „Nein!“, argumentiert die Direktorin, „wir nehmen dem Verbotenen ja sogar den Reiz!“ Die Schüler lernen nicht nur die Techniken, sondern beschäftigen sich auch mit geschichtlichen und rechtlichen Aspekten. „Am Ende steht eine normale Klausur“, so Schulze.

Auch Graffiti-Künstler Jurij Paderin, ein ehemaliger illegaler Sprayer, sieht nur Positives an dem Versuch: „Die Schüler gestalten als Abschlussarbeit mit der Spraydose ihren Schulhof. In einem schönen Umfeld fühlen sie sich wohl und können besser lernen.“

Beide hoffen, dass der Unterricht im nächsten Schuljahr weitergeht, sogar auf andere Schulen ausgeweitet wird. Paderin: „Das hängt aber von der Förderung ab. Im Gegensatz zu anderen Städten hat Berlin keinen Graffiti-Beauftragten. Obwohl wir die Graffiti-Hauptstadt sind.“

Sprayer haften 30 Jahre lang

Illegale Graffiti sind Straftaten. Allein an öffentlichen Gebäuden in Berlin und Brandenburg wurden 2011 Schäden von 8,7 Millionen Euro verursacht. Bundesweit sind es bis zu 500 Millionen jährlich. Die Täter machen sich u.a. der Sachbeschädigung schuldig. Zivilrechtliche Schadenersatzansprüche bestehen 30 Jahre: Wird ein 16-Jähriger erwischt, kann er bis zum 46. Lebensjahr zur Kasse gebeten werden.

Quelle: B.Z. Berlin