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Endlich: Sputnik Revival

Endlich wieder eine gute Nachricht für all die Nostalgiker unter euch – die S-Bahn überlegt angeblich, die alten „Sputniks“ (auch bekannt als Baureihe 485) wieder einzusetzen statt zu verschrotten. Lest selbst:

Mehr Platz für Fahrgäste

S-Bahn überlegt, alte Züge einzusetzen statt zu verschrotten

Peter Neumann

Fahrzeuge fehlen, Züge verspäten sich: In den vergangenen Monaten hat die S-Bahn Negativschlagzeilen gemacht. Jetzt arbeitet sie an einem Programm, das die Qualität ihrer Leistungen verbessern soll. Geplant ist, es noch im März vorzustellen. Nach Informationen der Berliner Zeitung erwägt die S-Bahn, abgestellte Fahrzeuge wieder in Betrieb zu nehmen. Während sich die Reisenden oft in vollen Zügen drängen, stehen 80 Wagen der Baureihe 485 ungenutzt auf Abstellgleisen herum. Von diesem Fahrzeugtyp, der wegen seiner früheren roten Lackierung „Coladose“ genannt wird, sind schon viele Exemplare verschrotten worden. Nun stehen die Chancen gut, dass die abgestellten Wagen hergerichtet werden und künftig erneut Fahrgäste befördern.

Dadurch könnte die Flotte des zweitgrößten Berliner Nahverkehrsunternehmens auf rund 670 „Viertelzüge“ anwachsen – so heißen die Zwei-Wagen-Einheiten in der S-Bahner-Sprache. Dann ließen sich Fahrzeugengpässe, wie sie derzeit zum Beispiel die Reisenden auf der Linie S 9 zwischen Spandau und Schönefeld nerven, größtenteils vermeiden. Fahrgäste berichten, dass die Züge auf der von zahlreichen Touristen genutzten Strecke oft nur sechs oder vier Wagen haben – früher waren es stets acht.

Einige der abgestellten Züge sind schon seit Jahren außer Betrieb. Mehrere haben Risse im Boden, die einer aufwändigen Sanierung bedürfen. Weil die Aufarbeitung der Züge einige Millionen Euro kosten würde, muss das „Mutterunternehmen“ Deutsche Bahn (DB) dieser Reaktivierung noch zustimmen.

Betriebsrat fordert Kurskorrektur

Heiner Wegner, der Vorsitzende des S-Bahn-Betriebsrats, bestätigte, dass es Überlegungen gibt, die abgestellten Züge wieder einzusetzen. Dadurch ließe sich der Zugbetrieb zuverlässiger gestalten, sagte er. S-Bahn-Chef Tobias Heinemann sollte die „Chance für eine Kurskorrektur“ nutzen. Der Betriebsrat macht vor allem Einsparungen bei der Instandhaltung und Pflege der Züge dafür verantwortlich, dass die S-Bahn unzuverlässiger geworden ist.

In den vergangenen Monaten war das Unternehmen deshalb häufig kritisiert worden, nicht nur von Fahrgästen, sondern auch von Politikern. So hat die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) angekündigt, dass das Land der S-Bahn erstmals wegen zu großer Unpünktlichkeit die Zahlung kürzen wird – nach ersten Kalkulationen um fünf Millionen Euro.

Quelle: Berliner Zeitung, 16.03.2009