Berliner Graffiti Online-Magazin

Eine Ära geht zu Ende

Mal wieder endet eine Ära dank der Berliner Modernisierungswut. Nun trifft es die legendäre S9-Kurve am Ostkreuz:

S 3 ersetzt längere Zeit die S 9 auf der Stadtbahn

Ab September fährt die S 9 nicht mehr durch die Südkurve am Ostkreuz

Wenn Ende August die Bauarbeiten am Ostkreuz soweit fortgeschritten sind, dass die Südkurve abgebaut wird, dann wird zeitweilig einiges neu geordnet im S-Bahn-Verkehr um die Riesenbaustelle. Dazu ein Gespräch mit Felix Pohl, Leiter Bestellermarketing und Dr. Torsten Funke, Verkehrsplaner der S-Bahn Berlin.

Die S 9 und die S 75 ergänzen sich auf der Stadtbahn zum 10-Minuten-Takt Richtung Spandau. Wie wird das ausgeglichen, wenn die Südkurve ab September abgebaut wird und die S 9 nicht mehr über die Stadtbahn fahren kann?

Felix Pohl: Zunächst hatten wir geplant, die S 75 im 10-Minuten-Takt nach Spandau fahren zu lassen. Erhebungen und verkehrliche Untersuchungen ergeben jedoch, dass es bei der S 75 weit weniger Fahrgäste gibt, die über die Stadtbahn hinaus Richtung Spandau weiterfahren, als bei der S 3. Deshalb haben wir in Abstimmung mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung entschieden, die S 3 alle 20 Minuten bis Spandau durchzubinden. Das heißt: Nutzer der S 3, die bisher am Ostbahnhof in den Spandauer Zug umsteigen mussten, können nun in jedem zweiten Zug sitzen bleiben.

Wie lange bleibt den S 3-Nutzer dieser komfortable Zustand erhalten?

Dr. Torsten Funke: Zunächst für etwa eineinhalb Jahre. Dann werden die Richtungsbahnsteige am Ostkreuz gebaut, die Schienenwege komplett neu sortiert und die S 3-Nutzer müssen am Ostkreuz in die S 5, S 7 oder S 75 umsteigen, um in die City zu gelangen. Das ist baubedingt leider nicht anders zu lösen.

Und danach?

Felix Pohl: Wenn die Bauarbeiten am Ostkreuz ihrem Ende zugehen, soll die S 3 in Abstimmung mit der Senatsverwaltung über die Stadtbahn durchgebunden werden.

Wie fährt bis dahin die S 9?

Dr. Torsten Funke: Sie fährt ab September zusätzlich zur S 8 und S 85 über den Ostring bis Blankenburg. Damit bieten wir jenen Fahrgästen – oder auch Fluggästen – eine umsteigefreie Verbindung in den Nordosten oder Norden der Stadt.

Was empfehlen Sie den Fahrgästen, die bisher die S 9 in die Innenstadt genutzt haben?

Felix Pohl: Eine Möglichkeit ist, bis Ostkreuz zu fahren und umzusteigen, doch hier gibt es während der Bauarbeiten weder Aufzüge noch Fahrtreppen. Deshalb wird die S 45 von Schönefeld über Hermannstraße hinaus bis zum modernen und behindertengerechten Bahnhof Südkreuz verlängert. Wir empfehlen also vor allem mobilitätseingeschränkten Fahrgästen oder Reisenden mit Gepäck, mit der S 45 bis Südkreuz zu fahren und von hier mit der S 2, S 25 oder dem Regionalzug in die Innenstadt. Das ist ein deutlich komfortablerer und auch nicht längerer Weg aus dem Südosten in die City.

Dr. Torsten Funke: Nach Ende der Bauarbeiten am Ostkreuz wird der S-Bahnverkehr im Wesentlichen wieder so geregelt sein wie heute. Nur den Bahnsteig A gibt es nicht mehr. Die Züge der S 9 fahren dann ohne Halt über die neue Südkurve des Bahnhofs Ostkreuz zum Bahnhof Warschauer Straße.

Quelle: punkt 3 – 2009/10

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